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Gehirngesundheit

Panikattacke oder körperliche Ursache? Warum eine gute Abklärung beides ernst nimmt

19. August 2026 · 6 Min. Lesezeit

Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Atemnot, Zittern, Schwindel – und das überwältigende Gefühl, dass gerade etwas Lebensbedrohliches passiert. Wer eine Panikattacke erlebt, erlebt echte, massive körperliche Symptome. Der häufigste erste Gedanke ist deshalb kein psychologischer, sondern ein sehr konkreter: „Ist das mein Herz?“

Diese Frage verdient eine ernsthafte Antwort – in beide Richtungen. Denn genauso falsch wie es wäre, eine Herzerkrankung als „nur Panik“ abzutun, wäre es, echte Panikattacken jahrelang immer wieder körperlich durchuntersuchen zu lassen, statt sie wirksam zu behandeln.

Zuerst das Wichtigste: Wann es ein Notfall ist

Beim ersten Auftreten von starkem Brustschmerz, Engegefühl, Atemnot oder Herzstolpern lässt sich ohne Untersuchung nicht sicher unterscheiden, ob eine Panikattacke oder ein medizinischer Notfall wie ein Herzinfarkt vorliegt – die Symptome überschneiden sich erheblich. Deshalb gilt ohne Wenn und Aber: Bei erstmaligen oder untypischen Beschwerden dieser Art, bei Schmerzen mit Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken, bei Atemnot in Ruhe oder bei Bewusstseinsstörungen sofort den Notruf 112 wählen. Diese Abklärung gehört in die Notaufnahme, nicht in eine Praxis und nicht ins Internet.

Was eine Panikattacke ist

Eine Panikattacke ist eine plötzliche Welle intensiver Angst mit heftigen körperlichen Symptomen – Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Schwindel, Kribbeln, Entfremdungsgefühlen –, die meist innerhalb von Minuten ihren Höhepunkt erreicht und in der Regel nach 10 bis 30 Minuten abklingt. Sie ist Ausdruck einer akuten Alarmreaktion des Körpers: Das Stresssystem feuert, als bestünde Lebensgefahr, obwohl objektiv keine besteht.

Wichtig zur Entlastung: Eine Panikattacke ist extrem unangenehm, aber nicht gefährlich – sie schädigt weder Herz noch Gehirn. Einzelne Panikattacken sind zudem häufig; viele Menschen erleben irgendwann im Leben eine. Von einer Panikstörung spricht man erst, wenn Attacken wiederholt und unerwartet auftreten und die Angst vor der nächsten Attacke das Leben einzuengen beginnt.

Welche körperlichen Erkrankungen Panik-ähnliche Symptome auslösen können

Genau hier liegt der Grund, warum eine einmalige, gründliche körperliche Abklärung sinnvoll ist – vor allem beim ersten Auftreten oder bei ungewöhnlichen Verläufen. Zu den Erkrankungen und Auslösern, die Attacken von Herzrasen, Unruhe und Angstgefühl verursachen können, gehören unter anderem:

Eine Schilddrüsenüberfunktion, die das gesamte System auf Hochtouren laufen lässt – mit Herzrasen, innerer Unruhe, Zittern und Schwitzen. Herzrhythmusstörungen, die als plötzliches Herzjagen erlebt werden und ihrerseits Angst auslösen. Unterzuckerungen, etwa bei Diabetes-Behandlung oder nach längeren Essenspausen. Substanzen und Medikamente: hohe Koffeinmengen, Energydrinks, Nikotin, bestimmte Asthma- und Schilddrüsenmedikamente, Entzugssituationen von Alkohol oder Beruhigungsmitteln. Seltener auch andere internistische Ursachen, die je nach Befund gezielt geprüft werden.

Die Abklärung ist überschaubar: Gespräch, körperliche Untersuchung, EKG, gezielte Laborwerte (insbesondere Schilddrüse, Blutbild, Blutzucker), je nach Befund ergänzende Diagnostik. Ist sie unauffällig, ist das kein „wir haben nichts gefunden“, sondern ein wertvolles Ergebnis: Es erlaubt, die Attacken als das zu behandeln, was sie dann sind.

Und wenn es Panikattacken sind: Was wirklich hilft

Hier gehört zur Ehrlichkeit unserer Praxis eine klare Ansage: Die wirksamste Behandlung einer Panikstörung ist die Psychotherapie, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie – gegebenenfalls ergänzt durch Medikamente, die fachärztlich psychiatrisch begleitet werden. Das ist nicht unser Fachgebiet, und wer Ihnen als nicht-psychotherapeutische Praxis eine „Heilung“ von Panikattacken verspricht, verkauft.

Unsere Rolle ist eine andere, und sie ist wichtig: die gründliche körperliche Abklärung, die Ihnen die Sicherheit gibt, dass organisch nichts übersehen wurde – und die konkrete Wegweisung zur passenden Behandlung, statt Sie mit einem „ist nichts Körperliches“ allein zu lassen. Denn das Schlimmste, was nach einer unauffälligen Untersuchung passieren kann, ist die Endlosschleife: immer neue Untersuchungen bei immer neuen Ärzten, während die eigentliche, gut behandelbare Störung unbehandelt bleibt.

Was Sie selbst zusätzlich beeinflussen können: Koffein und Energydrinks reduzieren, Alkohol als „Beruhigung“ meiden (er verstärkt die Angstbereitschaft am Folgetag), auf regelmäßigen Schlaf achten und Bewegung fest einplanen – Ausdauertraining hat einen belegten günstigen Effekt auf Angstsymptome.

Fazit

Nehmen Sie beide Seiten ernst. Beim ersten Auftreten heftiger Symptome: Notfallabklärung, ohne Zögern. Danach: eine strukturierte körperliche Abklärung, die die relevanten Ursachen prüft – einmal gründlich statt zwanzigmal halb. Und wenn sich Panikattacken bestätigen: der Weg in die Psychotherapie, so früh wie möglich. Eine Panikstörung ist eine der am besten behandelbaren psychischen Erkrankungen überhaupt – vorausgesetzt, sie wird als das behandelt, was sie ist.

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Ossama Alasmar, Facharzt für Neurochirurgie und ärztliche Leitung des Privatmedizin Zentrums

Medizinisch geprüft: Ossama Alasmar, Facharzt für Neurochirurgie – Ärztliche Leitung